SPORT
THEMA DER WOCHE / DONNERSTAG, 01. MÄRZ 2007
SNOOKER / Shirley Jahraus und Ernst Leu aus Winkel pflegen die edle Billardvariante mit Leidenschaft
Im Bann von 22 rollenden Kugeln
Snooker findet in der Schweiz immer mehr Anhänger. So haben sich auch Shirley Jahraus und Ernst Leu aus Winkel dem gepflegten Billardsport mit dem typisch englischen Flair verschrieben.
RENATO CECCHET
 
Shirley Jahraus (rechts) und Ernst Leu gehen nicht nur gemeinsam durchs Leben, sondern teilen mit Snooker auch die gleiche sportliche Leidenschaft. (Peter Würmli)
 
Auffällig ruhig ist es. In der Snooker Society in Zürich Oerlikon sind alle Spieltische besetzt, es wird eifrig gezielt und gestossen, und trotzdem hat der Betrachter das Gefühl, er befinde sich in einer Bibliothek und nicht in in einer Sportarena. «Das ist ein grundlegender Unterschied zum Poolbillard», klärt Markus Menzi, Geschäftsführer der Snooker Society, auf. Pool werde gerne nach Feierabend im Freundeskreis gespielt, bei gelöster Stimmung, einem Bier und vielleicht auch bei einer Zigarette. «Snooker hat technisch einen höheren Schwierigkeitsgrad und verlangt vom Spieler mehr Konzentration.» Dazu werde beim Snooker Wert auf Etikette und Respekt dem Mitspieler gegenüber gelegt.

Dem edlen Sport haben sich auch Shirley Jahraus und Ernst Leu verschrieben. Das Pärchen aus Winkel hat die Leidenschaft für das Zusammenspiel der 21 farbigen und der einen weissen Kugel gemeinsam entdeckt. «Bei einem Englandbesuch habe ich mir eine Snookerübertragung im Fernsehen angeschaut, ein britischer Kollege hat mich dann in den Sport eingeführt», sagt Ernst Leu. Shirley Jahraus hat den Virus quasi geerbt. «Mein englischer Grossvater war bereits von diesem Sport fasziniert, das habe ich aber zuerst gar nicht gewusst.» Es sei die Vielfältigkeit, die Snooker spannend mache, erklärt Leu. «Das Beherrschen der weissen Kugel und das immer neue Bild, das sich auf dem Tisch präsentiert, lässt einen immer neue Möglichkeiten entdecken.»

Gleichberechtigung am Tisch

Für Jahraus ist die intellektuelle Komponente wichtig. «Es sind nicht allein die technischen Fähigkeiten, die entscheiden, der Kopf muss mitspielen.» Aus diesem Grund hätten Frauen beim Snooker die gleichen Chancen wie Männer. Und das nutzt die Unterländer Spielerin aus. Beim wöchentlichen Turnier der Snooker Society führte Jahraus die interne Rangliste eine Woche lang an, im Moment liegt sie auf Platz 3.
Das Grundprinzip von Snooker besteht darin, abwechselnd einen roten und einen der sechs farbigen Bälle in den Seitentaschen zu versenken und gleichzeitig wieder eine gute Ausgangssituation für die weisse Spielkugel zu schaffen. Der Name des Sports bezieht sich auf die Spielsituation, in der ein Spieler eine Kugel, die er laut Regel ins Visier nehmen müsste, nicht direkt anspielen kann, auf Englisch also «gesnookert» (vom Gegner gesperrt) wurde.

Der Gentlemen-Sport, der nach wie vor hauptsächlich im angelsächsischen Bereich, in Australien und China populär ist, gewinnt auch im Unterland Anhänger. Roger Schmid aus Bassersdorf und Patrick Steinmann aus Kloten spielen bei nationalen Turnieren oder der Qualifikation für die Schweizer Meisterschaft mit. «Junge Leute entdecken Snooker als Abwechslung zum hektischen Alltag und als Lebenserfahrung», erklärt Markus Menzi von Snooker Society.

Für Ernst Leu und Shirley Jahraus ist Snooker primär noch Hobby. Beide liebäugeln aber mit Turnierteilnahmen. Leu glaubt, die ersten Snooker-Fieberschübe zu spüren. «Statt zum Essen gehe ich über Mittag immer mehr zum Zusatztraining», sagt er schmunzelnd.

Zürcher Unterländer vom 1. März 2007